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Tierversuche

Ehemaliges Projekt: Ersatz des Fischtests nach dem Abwasserabgabengesetz

 
 


Sinnloses Sterben für eine Gebühr

Der Fischtest war bis zum Jahr 2004 im Abwasserabgabengesetz für Industrieunternehmen vorgesehen, die Abwässer in öffentliche Gewässer leiten. Dabei wurden die Tiere in verschiedene Verdünnungsstufen des Abwassers gesetzt. Ermittelt wurde die Verdünnungsstufe, bei der keine Fische mehr starben. Anhand dieser Verdünnungsstufe wurden dann die Abgaben errechnet, die das Unternehmen zu leisten hat. Das heißt, die Tiere starben nur für die Ermittlung einer Gebühr.
 
Im Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz wurde die Weiterentwicklung einer Alternative zum Fischtest, dem sog. Fischzelltest, vorangetrieben. Im Fischzelltest lässt sich die Giftigkeit des Abwassers bestimmen, auch ohne dass dafür Tiere sterben müssen. Zusammen mit anderen Laboratorien haben wir das Verfahren in mehreren Studien – darunter eine so genannte Ringstudie, an der 11 Laboratorien aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen, auf Herz und Nieren geprüft. Es gilt als wissenschaftlich anerkannt, erfordert aber eine neue Berechnungsformel für die Abwasserabgaben. Dies schient einer der Gründe dafür zu sein, dass die Anwendung dieses Verfahrens auf politischen Widerstand stieß. Eine weitere Alternative zum Fischtest ist der an der TU Dresden zur Praxisreife entwickelte Fischei-Test. Bei diesem Test werden die Eier des Zebrabärblings den Abwasserproben ausgesetzt. Die Schädigung der Eientwicklung dient als Maß für die Giftigkeit. Mit diesem Verfahren wurde in Deutschland im Jahr 2004 der Fischtest zur Abwasserprüfung offiziell ersetzt.
 
Unter dem Druck der laufenden Alternativmethodenforschung hatten die Behörden schon in den vergangenen Jahren zehntausende Fische weniger für die Abgabenberechnung verbraucht. Die Zahl der verwendeten Fische wird jetzt noch einmal deutlich zurückgehen. Das ist ein Erfolg für den Tierschutz.
 
Aus der langjährigen Arbeit mit den Fischzelllinien sind eine ganze Reihe weiterer Projekte hervorgegangen. Etwa der Mikrokerntest mit Fischzellen, der dazu dient, erbschädigende Stoffe in Industrieabwässern und Gewässerproben aufzuspüren. Die Ergebnisse unserer Studien haben wir in einer etablierten Fachzeitschrift veröffentlicht. Sie sind international auf ein positives Echo gestoßen.
 
 

Veröffentlichungen zum Thema:

Ahne, W., Halder, M.: Die Verwendung der R1-Fischzellkultur für die Ermittlung der Abwassertoxizität nach dem deutschen Abwasserabgabengesetz. ALTEX 13, 2/90, 17-27
 
Halder, M., Ahne, W.: Evaluation of waste water toxicity with three cytotoxicity tests. Sonderdruck aus: Z. Wasser-Abwasser-Forsch. 23, VCH, Weinheim 1990, 233-236
 
Kohlpoth, M.: Durchflusszytometrische Messung von induzierten Mikrokernen in einer permanenten Fischzelllinie zur Erfassung des gentoxischen Potenzials von industriellen Abwässern. In: Forschung ohne Tierversuche 2000. H. Schöffl, H. Spielmann, F.P. Gruber, H. Appl, F. Harrer, W. Pfaller, H.A. Tritthart (Hrsg.), Springer-Verlag, Wien, New York 2000, 212-220, erschienen in der Reihe Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen, hrsg. von H. Schöffl, H. Spielmann, H.A. Tritthart
 
Kohlpoth, M.: Kultivierung von Zelllinien in serumfreien Medien: Generelle Vorteile und speziell Erfahrungen in einem Zytotoxizitätstest mit Fischzellen. In: Forschung ohne Tierversuche 1997. H. Schöffl, H. Spielmann, J. Döhmer, A.F. Götschel, F.P. Gruber, M. Liebsch, H. Juan (Hrsg.), Springer-Verlag, Wien, New York 1998, 15-23, erschienen in der Reihe Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen, hrsg. von H. Schöffl, H. Spielmann, H.A. Tritthart
 
Kohlpoth, M., Nüsse, M.: Die durchflusszytometrische Messung von induzierten Mikrokernen in permanenten Fischzelllinien zur Erfassung des gentoxischen Potentials von industriellen Abwässern. ALTEX 15, 1/98, 50-51
 
Ältere Publikationen finden Sie hier.

 
  Mehr zu diesem Thema:
Aktuelles Projekt: Ersatz des Draize-Augenreizungstests mittels künstlicher Hornhaut
Ehemaliges Projekt: SHE-Mikrokerntest
Das Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz
 
 

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