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Aktuelles Projekt: Ersatz des Draize-Tests |
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Momentan wird im Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz an der Entwicklung und praktischen Erprobung einer Alternativmethode zum Augenreiztest an Kaninchen, dem so genannten Draize-Test, gearbeitet. Bei diesem qualvollen Tierversuch werden die zu untersuchenden Chemikalien in das Kaninchenauge geträufelt und die resultierenden Gewebeverletzungen mittels eines wissenschaftlich umstrittenen Punktesystems bewertet. Dieses vor mehr als 50 Jahren entwickelte Verfahren ist aufgrund internationaler Bestimmungen immer noch fester Bestandteil der behördlich verlangten Sicherheitsprüfung über eine mögliche schwach bis mäßige augenreizende Wirkung von Chemikalien.
Der Draize-Test wurde in der Vergangenheit vielfach wegen seines Mangels an Objektivität, Wiederholbarkeit und Übertragbarkeit auf den Menschen kritisiert. Für die Überprüfung auf starke Augenreizung durch eine Chemikalie wurden im September 2009 zwei tierversuchsfreie Methoden international durch die OECD anerkannt (der "Biovine Corneal Opacity and Permeability Test" (BCOP) und der "Isolated Chicken Eye Test" (ICE)). Bei der Entwicklung von Alternativen zum Test schwacher bis mäßiger Augenreizung am Kaninchenauge liegt ein wichtiger Schritt in der Herstellung von künstlichen Augenhornhautmodellen. An der Universität Bremen wurde ein viel versprechendes Hornhautmodell aus unsterblichen Zelllinien des menschlichen Auges entwickelt. In ihrer Struktur und Physiologie entspricht die in-vitro-Hornhaut weitgehend einer echten menschlichen Augenhornhaut. Unter Verwendung dieses neuen Modells werden an der Akademie für Tierschutz in Kooperation mit der Universität Bremen zukünftig verschiedene Routinetestverfahren etabliert.
Die bisherigen Forschungen an der künstlichen Augenhornhaut geben großen Anlass zur Hoffnung, dass mit dieser die Abschätzung der schwach bis mäßig augenreizenden Wirkung von chemischen Stoffen deutlich verbessert werden könnte. Damit würde nicht nur der Draize-Test überflüssig gemacht, sondern ein wervoller Beitrag zu einem besseren Verbraucherschutz geleistet.
Seit 2004 wurden die Forschungsarbeiten zum Ersatz des Draize-Tests aus verschiedenen Drittmittelquellen finanziell unterstützt. Ein erstes Projekt, welches vom Bundesinstitut für Risikobewertung (Abteilung ZEBET) und von der Doerenkamp-Zbinden-Stiftung für versuchstierfreie Forschung gefördert wurde, mündete kürzlich in ein Verbundprojekt zur Optimierung und Praxiserprobung des Hornhautmodells unter Beteiligung weiterer Partner aus universitärer Forschung und freier Wirtschaft (Ludwig-Maximilians-Universität München, Technische Universität Braunschweig und Institut für Angewandte Zellkultur, München). Aktuell werden die Arbeiten vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gefördert.
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