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Weitere wissenschaftliche Hintergrundinformationen zu den Stadttauben

 
 
Haben Tötungsaktionen von Stadttauben einen Sinn?
 
Es ist erwiesen, dass nach Tötungsaktionen die Taubenpopulationen innerhalb weniger Wochen wiederum zu ihrer Ausgangsgröße heranwachsen. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten, u. a. Haag-Wackernagel (1984), Kautz und Malecki (1990) belegen eindeutig die Wirkungslosigkeit von Tötungsaktionen. Die Lücken, die durch das Töten entstehen, werden von Jungtieren besetzt, deren Überlebenschanchen sich dadurch erheblich verbessern. Tötungsaktionen sind demnach kein wirksames Mittel zur Reduzierung von Stadttaubenschwärmen, sondern führen lediglich zu einer Verjüngung des Bestandes!
 
 
Können Tauben Krankheiten auf den Menschen übertragen?
 
Keinesfalls ist der Mensch durch die Anwesenheit von Stadttauben in seiner Gesundheit gefährdet. Hierzu kann man das Gutachten des Bundesinstitutes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen von 1998 zitieren:
 
"Zwar ist eine Übertragung von Krankheitserregern durch frei lebende Tauben auf den Menschen prinzipiell möglich, dies gilt jedoch in gleichem Maße für andere in Städten lebende Wildvogelarten wie Enten, Schwäne, Sperlinge, Amseln und Meisen, aber auch für Säugetierarten wie Eichhörnchen und Marder. Es wäre absurd, alle in der Umgebung des Menschen lebende und hierdurch zwangsläufig auch mit dessen Krankheitserregern in Berührung kommende Tierarten allein aus diesem Grund als Gesundheitsschädlinge einzustufen. In dieser Hinsicht dürfe der weitaus engere Kontakt mit Heimtieren größere Gefahren bergen."
 
 
Zerstört Taubenkot die Bausubstanz?
 
Substanzen, die stark sauer sind, haben eine ätzende Wirkung. Der Wert für den Säuregrad wird in pH angegeben. Neutral ist der pH-Wert von 6,5 bis 7,5. Der Säuregrad von Taubenkot liegt im schwach sauren Bereich (pH-Wert 5,5). Damit wäre die Behauptung widerlegt, dass der Taubenkot ätzend ist und damit Bausubstanzen angreifen kann!
 
 
Wie sieht letztendlich eine tiergerechte Lösung aus?
 
Die erste und wichtigste Maßnahme ist die Schaffung von geeigneten Brutmöglichkeiten für die Tauben, in Form von Taubentürmen oder Taubenschlägen zur tiergerechten Bestandsregulierung. Tauben sind sehr ortsgebunden, deshalb müssen diese Einrichtungen dort errichtet werden, wo sich die Tauben in großer Zahl und bereits seit längerer Zeit aufhalten. Diese Einrichtungen müssen durch den Menschen betreut werden. Gute Beispiele für ein gesamtstädtisches Konzept findet man z.B. in Augsburg oder Esslingen.
 
 
 
 

 
  Mehr zu diesem Thema:
Tiergerechte Bestandsregulierung
 
Weiterführende Links
Haag-Wackernagel (1984): Ein Beitrag zur Ökologie der Stadttaube (Columbia livia). Dissertation der Phil.-Nat. Fakultät der Universität Basel
Haag-Wackernagel (1997): Bestandsregulierung bei Straßentauben. Herausgegeben in: H.H. Sambraus und A. Steiger, Das Buch vom Tierschutz, Enke Verlag
Einfluss von Taubenkot auf die Oberfläche von Baustoffen (2004), Institut für Massivbau der Technischen Universität Darmstadt, Gutachten Nr. 195.04 vom 26.08.2004
 
 

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