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Tiere in der Landwirtschaft

Industrialisierte Tierhaltung - Die Realität für Tiere in der Landwirtschaft

 
 

Um die Produktionskosten der landwirtschaftlichen Tierhaltung gering zu halten, sind neben der Spezialisierung und Vergrößerung der Betriebe, der Selektion auf Höchstleistungen in der Zucht neuzeitliche Haltungssysteme eingeführt worden, die weitgehend auf eingestreute Liege- und Laufflächen verzichten. Die Tiere werden auf engstem Raum und in reizarmer, unstrukturierter Umgebung gehalten. In solchen Haltungssystemen sind die Tiere in ihrer Bewegungsmöglichkeit erheblich eingeschränkt, z. T. können sie sich nicht einmal umdrehen. Wegen der Enge und der strukturlosen Umgebung können die Tiere einen Großteil ihres arteigenen Verhaltens – darunter fallen Bewegung, Ruhen, Futteraufnahme, Erkundungs-, Komfort- und Sozialverhalten – nicht oder nur sehr eingeschränkt ausleben. Erzwungenes Nichtverhalten führt zu Stress und Frustrationen. Dies äußert sich in Verhaltensstörungen wie Aggressivität, Ängstlichkeit, Stereotypien und Kannibalismus. Der Bewegungsmangel und die einstreulosen Gitter-, Spalten- oder betonierten Böden führen in der Praxis zudem zu schmerzhaften Veränderungen des Bewegungsapparates, Klauen- oder Fußballenentzündungen und Hautgeschwüren.


Wenn sich Tierschutzprobleme in wirtschaftlichen Ausfällen niederschlagen, werden die Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft. Damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen, kürzt man Legehennen und Puten prophylaktisch die Schnäbel, Ferkeln die Zähne und Schwänze oder entfernt Rindern die Hörner. Diese Manipulationen sind allesamt außerordentlich schmerzhafte Eingriffe in lebendes, innerviertes Gewebe. Dennoch werden sie ohne Betäubung und Schmerzbehandlung durchgeführt. Die Tiere leiden aufgrund dieser Eingriffe nicht allein an akuten, z. T. chronischen Schmerzen und Sekundärinfektionen, sie werden auch erheblich in ihrem Verhalten eingeschränkt. Puten beispielsweise können unter Umständen ihre Nahrung nicht mehr pickend sondern nur noch schaufelnd aufnehmen.

Auch die Krankheiten der Tiere werden  symptomatisch behandelt, statt die Ursache zu beseitigen. Hohe Tierzahlen und Besatzdichten fördern die Krankheitsanfälligkeit und –verbreitung, und daher müssen die Tiere wesentlich häufiger mit Medikamenten behandelt werden.
 
Ein weiteres Problem ist auch, dass nicht für alle so genannten Nutztiere verbindliche gesetzliche Regelungen für die Haltung existieren. Die wenigen bereits bestehenden Vorschriften sind auch bei Weitem nicht dazu geeignet, eine artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten (Gesetzliche Rahmenbedingungen).

Diese alltäglichen Missstände machen ebenso wie die Krisen um BSE, MKS und Geflügelpest deutlich, dass wir tief greifende Änderungen in der Agrarstruktur brauchen. Konkret heißt das, dass die viel beschworene ‚gute landwirtschaftliche Praxis’ in der Tierhaltung an den natürlichen Grundbedürfnissen der Tiere ausgerichtet werden muss (Anforderungen an die tiergerechte Haltung von Tieren in der Landwirtschaft).


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