Masthähnchen erreichen ihr Schlachtgewicht heute in nur sechs Wochen. Das ist doppelt so schnell wie vor drei Jahrzehnten. Durch die einseitige Überzüchtung der Tiere kann das Knochenwachstum nicht mehr mit dem schnellen Muskelzuwachs Schritt halten. 80 bis 90 Prozent der Tiere leiden unter Knochen- und Gelenkproblemen, bis hin zu schweren Deformationen. Die heute zur Mast eingesetzte Pute wiegt das Dreifache der Wildform. Auch bei Rindern, Schweinen und anderen Tierarten hat die Auswahlzucht zu erhöhten Wachstumsraten mit den entsprechenden gesundheitlichen Problemen geführt. Milchkühe produzieren heute zehnmal mehr Milch als zum Säugen des Kalbes erforderlich wäre. Parallel mit dem Anstieg der Milchproduktion haben die Eutererkrankungen bei den Tieren zugenommen. Mehr als ein Drittel der Milchkühe in der EU leiden an schmerzhaften Euterentzündungen. Legehennen können etwa 300 Eier pro Jahr legen - mehr als das Fünffache ihrer Vorfahren - als Folge leiden sie oftmals an schmerzhaften Eileiterentzündungen.Die Verwandlung des Tieres vom Mitgeschöpf zum Produktionsgut zeigt sich auch in der extremen Form der Spezialisierung der Zuchtlinien. Da sich die Mast der männlichen Küken aus der Legehennenzucht nicht rechnet, werden diese gar nicht erst aufgezogen, sondern sofort nach dem Schlüpfen mit Gas oder in einem so genannten Homogenisator (eine Art Häcksler) getötet. Ihre Aufzucht rentiert sich nicht, weil sie nicht so schnell wachsen und zunehmen wie ihre Artgenossen aus den Zuchtlinien für Masthühner. Ähnlich verläuft die Auswahlzucht bei den Schweinen. Bestimmte Zuchtlinien zielen darauf ab, möglichst fruchtbare Muttersauen zu erhalten. Die männlichen Ferkel dieser Zuchtlinien fallen dabei als „Nebenprodukte“ an. Auch sie können nicht mit ihren auf Mastleistung gezüchteten Artgenossen konkurrieren. Um wenigstens noch einen geringen Gewinn herauszuschlagen, werden sie nach wenigen Wochen zum Beispiel als „Mini-Spanferkel“ vermarktet.