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Tierversuche

Gentechnisch veränderte Tiere in der biomedizinischen Forschung

Eine Studie der Akademie für Tierschutz

Fast jeder zehnte Tierversuch findet heute schon mit einem gentechnisch veränderten Tier (GV-Tier) statt. Allein in Deutschland sterben laut offizieller Statistik jedes Jahr weit über 300.000 GV-Tiere im Versuchslabor. Dazu kommt ein Vielfaches an Tieren aus der so genannten Vorrats- oder Vermehrungszucht. Nur etwa 40% aller GV-Tiere, die für Versuchszwecke vorrätig gehalten werden, gelangen in den Tierversuch. Die übrigen werden „ungenutzt“ getötet und in keiner Statistik erfasst. Bezieht man diese Tiere ein, so sind es mehr als 800.000 GV-Tiere, die jährlich allein in Deutschland für die Forschung „verbraucht“ werden. Tendenz steigend!
 
Vor diesem Hintergrund hat die Akademie für Tierschutz in einer vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geförderten wissenschaftlichen Studie untersucht, welchen Zielen die Forschung mit GV-Tieren dient, ob die Forschungsergebnisse den immensen Einsatz an tierischem Leben und Leiden rechtfertigen und ob die Forschungsziele nicht auch mit tierversuchfreien Methoden verfolgt werden können.
 
Um diese Frage zu klären, haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Akademie für Tierschutz 577 Forschungsartikel aus Fachzeitschriften analysiert, in denen deutsche Genforscher ihre Ergebnisse aus Experimenten mit GV-Tieren darlegen.

Ergebnis

GV-Tiere sind besonders schweren Leiden ausgesetzt. Sie werden einzig geschaffen, um im Labor zu erkranken und zu sterben. Ein unmittelbarer medizinischer Nutzen der Forschung mit GV-Tieren ist demgegenüber nicht zu belegen und kann bestenfalls als gering eingestuft werden. Aus Sicht des Tierschutzes ist die Forschung mit GV-Tieren damit nicht zu rechtfertigen.

Gibt es tierversuchsfreie Alternativen?

Im Rahmen ihrer Studie hat die Akademie für Tierschutz auch eine Reihe viel versprechender Ansätze der Zellkulturforschung zusammengestellt, mit denen das Erbgut schon heute sehr viel differenzierter als im Tiermodell untersucht werden kann. Dazu gehören auch Gentechniken, etwa die so genannte RNA-Interferenz, mit der sich einzelne Erbfaktoren gezielt ausschalten lassen. An Zellen eingesetzt, kann mit ihr die Funktion der Erbfaktoren schneller, genauer und kostengünstiger analysiert werden als im Tiermodell. Mithilfe weiterer Techniken können im Reagenzglas auch mehrere Erbveränderungen gleichzeitig ausgelöst und so die Wechselwirkungen im Erbgut untersucht werden. Werden diese Verfahren bei menschlichen Zellen angewendet, lassen sich unmittelbar Erkenntnisse über die Funktion menschlicher Organe und des menschlichen Körpers gewinnen. Dadurch entfällt das Problem, dass die Ergebnisse von Tierversuchen prinzipiell nur schwer auf den Menschen übertragbar sind.
 
Statt die Forschung mit GV-Tieren weiter zu verfolgen, müssen solche viel versprechenden Alternativen gefördert, weiter entwickelt und schließlich auch eingesetzt werden. Ziel muss es sein, sowohl die Gentechnik an Tieren als auch die tierexperimentelle Forschung insgesamt abzuschaffen. Dazu können auch epidemiologische Studien, Computersimulationen und viele andere tierversuchsfreie Forschungsverfahren  beitragen.

 
Veröffentlichung der Studie:
Sauer, U.G., Kolar, R., Rusche, B.: Die Verwendung transgener Tiere in der biomedizinischen Forschung in Deutschland. Teil 1: Sachstandsbericht 2001-2003. ALTEX 22, 4/05, 233-257
Sauer, U.G., Kolar, R., Rusche, B.: Die Verwendung transgener Tiere in der biomedizinischen Forschung in Deutschland. Teil 2: Ethische Bewertung der Verwendung transgener Tiere in der biomedizinischen Forschung und Perspektiven für die Umstellung der Forschung auf tierversuchsfreie Verfahren. ALTEX 23, 1/06, 3-16


 

 
  Mehr zu diesem Thema:
Weiterführende Links
Umweltpanorama: Zusammenfassung der Studie
 
 

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