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Tierversuche

Tierversuche für Paella?

Wie die Europäische Kommission Verbraucherschutz verhindert

Vegetarier sind nicht betroffen. Doch wer im Urlaub am Meer eine Paella oder ein anderes Muschelgericht bestellt, ahnt vermutlich nicht, dass er damit zur Durchführung besonders grausamer Tierversuche beiträgt. Das Problem liegt darin, dass Muscheln sich von Algen ernähren, die wiederum Gifte enthalten können. Diese Algengifte sind zwar für die Muscheln nicht gefährlich, können aber beim Menschen Magen-Darm-Erkrankungen oder sogar tödliche Atemlähmungen verursachen. Daher ist EU-weit vorgeschrieben, dass Meeresfrüchte getestet werden müssen, bevor sie zum menschlichen Verzehr freigegeben werden dürfen.
 
Zum Nachweis, dass die Muscheln keine Algengifte enthalten, wird der so genannte Maustest verlangt. In diesem äußerst belastenden Tierversuch wird Mäusen Muschelextrakt in die Bauchhöhle geimpft. Anschließend wird untersucht, wie lange es dauert, bis die Tiere qualvoll verenden.  Doch es sprechen nicht nur ethische Gründe gegen den Tierversuch. Immer wieder gelangen giftige Muscheln in den Verkehr, obwohl sie an Mäusen getestet und als unbedenklich eingestuft wurden. Der Test gilt als ungenau, unzuverlässig und unempfindlich.
 
Doch es geht auch ganz ohne Mäuse, wie das deutsche Überwachungssystem für Meeresfrüchte beweist. In Deutschland werden Algengifte in Muscheln seit Jahren mit modernen chemischen Analyseverfahren nachgewiesen, die so effektiv sind, dass kein einziger Fall bekannt ist, dass giftige Muscheln in den Handel gelangt wären. Man muss nicht Tierschützer sein, um hieraus die einzig logische Schlussfolgerung zu ziehen: Der Maustest sollte unverzüglich aus den EU-Vorschriften entfernt und durch die chemischen Methoden ersetzt werden.
 
Dennoch hält die Europäische Union unerschütterlich am Glaubensbekenntnis für den Tierversuch fest. Fakten unerwünscht. Aufgrund veränderter EU-Gesetze zur Lebensmittelhygiene kann Deutschland seit Januar 2006 sogar verpflichtet werden, den Mäusetest wieder einzuführen. Schon in der Vergangenheit hatte die Europäische Kommission Deutschland wiederholt angemahnt, den Maustest wiedereinzuführen, schließlich sei er EU-weit gesetzlich vorgeschrieben. Womit nachweislich der Verbraucherschutz verschlechtert würde. Vom qualvollen Leid der Tiere gar nicht zu reden.
 
Wir nehmen es nicht hin, dass Deutschland verpflichtet werden kann, einen längst abgeschafften, grausamen, unzuverlässigen Tierversuch wiedereinzuführen. Immer wieder haben wir uns an die zuständigen Politiker gewandt: In Deutschland, damit sie ihren Widerstand gegen die EU-Bestrebungen aufrecht halten. In Brüssel, damit die EU-Regeln an die deutschen angepasst werden und nicht umgekehrt. Langsam zeigt der politische Druck Erfolg: Die EU-Kommission hat angekündigt, für bestimmte Algengifte den Nachweis durch chemische Verfahren erlauben.
 
Doch damit geben wir uns nicht zufrieden – wir wollen, dass chemische Verfahren für alle Sorten von Algengiften anerkannt und gleichzeitig der Maustest vollständig verboten wird. Nur so kann gewährleistet sein, dass im Endeffekt nicht doch einige Behörden weiter auf ihm bestehen. Ob man Muscheln essen möchte oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Doch dies darf nicht zu qualvollem Tierleid führen, das letztendlich dem Verbraucher doch nicht nützt.


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