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Tiere in der Landwirtschaft

Tiere in der Landwirtschaft

 
 

In Deutschland werden viele Millionen Tiere in der Landwirtschaft genutzt. In den letzten Jahrzehnten hat die Anzahl landwirtschaftlich genutzter Tiere pro Betrieb rasant zugenommen. Heute sind Bestände von 100.000 Legehennen, zehntausenden Masthühnern oder Puten pro Betrieb eher die Regel als die Ausnahme. Trotz Zunahme der Betriebsgröße ist eine Abnahme der Anzahl der Betriebe zu verzeichnen. Nach dem Prinzip „Wachsen oder Weichen“ hat ein dramatisches Höfesterben eingesetzt. Die Agrarlandschaft in Deutschland und der EU ist in spezielle Aufzucht-, Mast- und Schlachtbetriebe zentralisiert. Denn je spezialisierter, intensiver und mechanisierter die Tierhaltung ist, desto billiger kann produziert werden. Für eine artgerechte Tierhaltung, die den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Tiere gerecht wird, bleibt dabei kein Raum.
 
Der Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft ist daher durch Intensivhaltungssysteme mit dem Ziel der Gewinnmaximierung geprägt. Die Technisierung und Rationalisierung beginnt bereits mit der modernen Auswahlzucht und setzt sich bei der Haltung, Fütterung und Pflege der Tiere fort. Rinder, Schweine oder Hühner werden zu Höchstleistungen getrieben. Die Zentralisierung und Spezialisierung führt dazu, dass die Tiere über lange Strecken transportiert werden müssen und dabei erheblichen Belastungen ausgesetzt sind (Tiertransporte). Der Kreis schließt sich bei der Schlachtung in automatisierten Schlachtbetrieben. Aufgrund des tierschutzrelevanten Umgangs mit den Tieren und hoher Fehlbetäubungsraten entstehen nicht zuletzt auch dort erheblich Tierschutzprobleme (Schlachtung).

Die industrialisierten Strukturen in der Tierhaltung sind zugleich Auslöser für zahlreiche Verbraucherbelastungen und Umweltschäden. Das Spektrum reicht von Zusatzstoffen in der Intensivfütterung, über erhöhte Krankheitsraten und erhöhten Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung, erhöhte Krankheitsraten der Bevölkerung im Umkreis industrieller Tierhaltung bis hin zum Schadstoffeintrag aus der Massentierhaltung  in Luft, Boden und Grundwasser.

Die Krisen um die Rinderkrankheit BSE, die Maul- und Klauenseuche oder um Rückstände des verbotenen Pflanzenschutzmittels Nitrofen im Tierfutter lösen ein ums andere Mal einen besonders irrsinnigen Mechanismus aus: Die Massenvernichtung von gesunden Tieren als regulärer Bestandteil der Agrarpolitik.

Der Teufelskreis aus subventionierter Überproduktion und subventionierter Massenvernichtung muss beendet werden. Die landwirtschaftliche Tierhaltung braucht eine Perspektive jenseits der Agrarfabriken. Und da die Ursache der Misere im Missbrauch der Tiere liegt, müssen alle Überlegungen auch und vor allem beim Tierschutz ansetzen. Tierschutz ist zugleich die Voraussetzung, um Verbraucher und Umwelt von Grund auf – und volkswirtschaftlich sinnvoll – schützen zu können.

 
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